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Die Weinlese 2008 im Weingut Jean-Paul Schmitt
 

Die Weinlese 2008 - biologischer Anbau

Jetzt ist es wieder soweit: die Weinlese 2008 auf dem Weingut Jean-Paul Schmitt hat  am  17.9.2008 begonnen!

Eine aufregende Zeit für alle, die das ganze Jahr so fleisig im Weinberg gearbeitet haben - denn: unsere Weine des Rittersberg sind hauptsächlich das Ergebnis aufwändiger Arbeiten im Weinberg. Dieses Jahr wird noch spannender, denn wir befinden uns im letzten Jahr des langwierigen Umstellungsprozesses auf biologischen Anbau.

HINWEIS: weitere Fotos und Videos zur Weinlese finden Sie auf unserer französischen Seite: FOTOS

Weinlese 2008

Die Umstellungsphase auf biologischen Anbau hat uns viel gelehrt und ein komplettes Umdenken erforderlich gemacht. Nicht nur, dass wir keinerlei Unkrautvernichter einsetzen oder Pestizide oder Kunstdünger aus petrochemischer Produktion, nein, wir wollten bei der Umstellung auch gleichzeitig die Qualität unserer Trauben und somit unserer Weine steigern! Unser Weingut wird vom führenden Biosiegel Ecocert zertifiziert.

Als Weinliebhaber müssen Sie wissen, dass wir nur einen natürlichen Wein erzeugen können, wenn die Qualität der Trauben bestens ist. Bei unserer rein manuellen Lese der Trauben achten wir darauf, dass die Trauben unversehrt im Weingut ankommen. Dafür setzen wir, wie bei der Ernte für Trauben für die Crémantherstellung, nur Bottiche ein, die mit maximal 80 kg gefüllt werden - also keine Anhänger oder ähnliche großvolumige Sammelbehälter für die empfindlichen Trauben. Unsere Trauben werden sofort nach Ankunft im Weingut über ein Förderband der pneumatischen Presse zugeführt. Dabei wird Traubensaft, der sich eventuell in den Bottichen angesammelt hat, nicht weiterverarbeitet - wir sprechen dabei von einer 'trockenen' Ernte.

Warum all dieser Aufwand? Ganz einfach: Trauben, die während der Ernte aufplatzen (z.B. auch durch den Einsatz von mechanischen Vollerntemaschinen) beginnen sofort zu Oxidieren - wenn Sie einen Apfel anbeissen und ihn kurz liegen lassen, wird die angebissene Fläche durch Oxidation braun. Diese Oxidation kann nur durch Zugabe von hohem Mengen an schwefliger Säure reduziert werden. Genau dies wollen wir vermeiden, denn Sie wollen ja schließlich Wein trinken und keinen Schwefelcocktail.

Pinot Auxerrois 2008

Je später Trauben geerntet werden, umso dünner und empfindlicher wird die Haut der Trauben und umso wichtiger wird es, die Trauben so behutsam als möglich zu ernten und zu transportieren - daher können wir selbst bei den Vendanges Tardives und Sélection de Grains Nobles-Weinen mit sehr niedrigen Schwefelzugaben arbeiten (Sie finden alle Werte auf unserem Datenblatt, das jeder unserer Kunden erhält).

Die niedrigen Erträge, die wir hauptsächlich durch Ausdünnen der jungen Triebe noch vor der Traubenblüte im Frühjahr kontrollieren, haben einen weiteren entscheidenden Vorteil für Sie als Weinliebhaber: je weniger Trauben heranreifen, umso konzentrierter sind sie an Aromen und natürlichem Fruchtzucker. Unsere Weine kommen daher ohne Zusatz von Kristallzucker aus, sie müssen nicht chaptalisiert werden, so der Fachausdruck. In Europa dürfen Weine, die wegen zu großer Erträge nicht über genügend Alkoholpotential verfügen durch Zugabe von Zucker angereichert werden. Kristallzucker ist sehr günstig - ist aber leider kein Fruchtzucker.

Besonders beim Riesling kennt man den nächsten Nachteil hoher Produktionen: als erstes bildet sich in den Trauben die Apfelsäure, die sich langsam, bei vollständiger Reife der Trauben in die wichtige Weinsäure umwandelt. Säure ist beim Wein notwendig um Weine über viele Jahre lagern zu können (Wein wird ja nicht sterilisiert wie Milch o.ä.). Riecht ein Riesling im Glas nun schon nach grünem Apfel, dann können Sie fast sicher sein, dass er bei vielen Menschen zu Sodbrennen führen wird. Diese unangenehme Säure läßt sich durch Restzucker im Wein überdecken. Bei trockenen Weinen jedoch nicht - er schmeckt sauer.

Wir stellen bei Weinproben häufig fest, dass Kunden eben daher keine trockenen Rieslinge probieren möchten: sie haben schlechte Erfahrungen gemacht. Ein trockener Riesling von Jean-Paul Schmitt überrascht gerade diese Kunden dann sehr positiv: die hohe Mineralität unserer Weine bedingt durch die Granitböden des Rittersberg binden die gute Weinsäure harmonisch ein. Sie erhalten bei uns einen trockenen Wein - zum Teil sehr trocken - aber keinen sauer schmeckenden Wein!

Ausgereifte Trauben, hoher natürlicher Fruchtzuckergehalt, gute Weinsäure, keine Oxidation, niedrige Schwefelgaben, keine Pestizidrückstände - nur reinster Traubenmost verlässt unsere Presse und fließt nur durch Schwerkraft - also ohne mechanische Pumpen - in unseren Keller. Hier beginnt dann die Gärung, sprich die Umwandlung des Fruchtzuckers in Alkohol. Die Gärnung erfolgt durch Hefepilze: nach der langjährigen Umstellung auf biologischen Anbau stellen wir fest, dass sich inzwischen wieder mehr und mehr natürliche Hefepilze auf der Haut der Trauben gebildet haben und wir die Zugabe von Zuchthefen komplett oder teilweise reduzieren können (dieser Vorgang wird Spontangärung genannt).

Je weniger 'Fehler' die Trauben aufweisen, umso weniger Fehler müssen bei der Kellerarbeit korrigiert werden. Auch unsere Weine werden ständig von staatlich zugelassenen Labors kontrolliert. Ein modernes Labor kann heute schon kleinste Fehler entdecken und bieten den Winzern sogleich das richtige Mittelchen an, um den Fehler zu 'beheben'. Diese kleinen 'Helferlein' kosten nicht nur viel Geld, Sie als Weinliebhaber finden sie jedoch auch in jedem Glas Wein wieder.

Wir möchten auf keinen Fall den Eindruck erwecken, als könnten wir auf jegliche Zusätze verzichten - das gelingt uns (noch) nicht, aber wir können den Einsatz drastisch reduzieren. Wir arbeiten daher seit einiger Zeit in der Kommission mit, die festlegen wird, welche Mittel für den Anbau biologischer Weine zugelassen sein werden - und welche nicht. Denn bislang ist 'Bio-Wein' lediglich aus biologischem Traubenanbau.

Sie als Weinliebhaber dürfen jedoch versichert sein, dass wir alle im Weingut Jean-Paul Schmitt das ganze Jahr über alles dafür tun, dass unsere Weine mit niedrigsten Mengen an Zusatzstoffen hergestellt werden können. Als selbst betroffene Allergiker setzen wir im ureigensten Interesse alles daran einen sehr hochwertigen und hochbekömmlichen Wein zu erzeugen. Viele unserer Kunden und Freunde bestätigen uns immer wieder, dass sie unsere Weine besser geniesen können. Die vielen internationalen Auszeichnungen für unsere Weine sprechen für sich: durch die Umstellung unseres gesamten Weinguts auf biologischen Anbau konnten wir unsere Qualitäten bei allen Weinen steigern.

„Guten Wein zu machen ist ein Handwerk - einen großen Wein zu kreieren hingegen eine Kunst. “
– („Making good wine is a skill, but fine wine is an art.“) Zitat Robert Mondavi, USA

Dem können wir nichts weiter hinzufügen. Wir hoffen nun auf einen weiteren großartigen Jahrgang 2008 und Ihnen viel Vergnügen beim Verkosten unserer Weine des Rittersberg.

 


Jean-Paul Schmitt, Winzer aus Scherwiller, erhielt dieTrophée d'Excellence
beim concours pinot gris du monde 2007.

 

 
 

 

erstellt von Bernd Koppenhöfer - Stand 8.10.2008

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