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Captain Cork schreibt am 23/3/2014 - Elsass: About Schmitt

 

 

 

 

 

Elsass: About Schmitt.

Elsass, mon amour! Das hört man in punkto Wein nicht mehr so oft. Wir haben jedoch einen Winzer (bio!) gefunden, der uns umhaut: Jean-Paul Schmitt.

 

Rainer Balcerowiak

 

Linkslotse Rainer Balcerowiak hat die Hoffnung für das Elsass aufgegeben. Fast. Wenn da nicht noch ein paar starke Weinmacher wie Jean-Paul Schmitt wären. Von dem öffnet er jetzt zwei Hammer-Flaschen - trocken und süß.

 

 

Das deutsche Weinportal um Captain Cork hat erstmals unsere Weine vom Rittersberg verkostet und spricht von 'Hammer-Weinen' und vom Hoffnungsträger Jean-Paul Schmitt für eine Gegenbewegung zu den 'belanglosen Massenabfüllungen'.

 

 
Lesen Sie selbst den ganzen Artikel vom Linkslotsen Rainer Balcerowiak, den wir übrigens während der Präsentation des Elsass-Buchs von Wolfgang Faßbender auf der internationalen Buchmesse in Frankfurt 2013 getroffen haben.

 

Das Elsass hat gründlich daran gearbeitet, seinen Ruf als Weinbauregion zu ruinieren.


Zum einen wird der Markt von belanglosen Massenabfüllungen nahezu überschwemmt. Aber auch die Qualitätsbezeichnungen sind schon längst keine zuverlässigen Parameter mehr.


Das Grand Cru-System wirkt wie versteinert, in einigen der 51 klassifizierten Lagen entstanden in den  vergangenen Jahren äußerst zweifelhafte Weine. Gleichzeitig verhinderten die Platzhirsche der Region, dass neue Parzellen diesen Status erhielten. Auch haben viele kleinere Betriebe vor dem Marktdruck kapituliert und sind unter die Fittiche großer Genossenschaften und Kellereien geschlüpft.
Ein klares Geschmacksprofil ist in der Breite nicht mehr zu erkennen, teilweise geht der Trend zu sehr hohen Alkohol- und Restzuckerwerten, was der großen Tradition schlanker, filigraner und vor allem trockener Elsässer Weine Hohn spricht.


Es gibt auch Hoffnung.


Doch es gibt auch eine Gegenbewegung: Selbst vermarktende Privatwinzer, die auch ohne zertifizierte Grand-Cru-Lagen konsequent auf Qualität setzen. Viele von ihnen haben auch auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt.


Doch nur wenige gehen diesen spannenden aber mühseligen Weg so konsequent wie die Domaine Jean-Paul-Schmitt in Scherwiller. Niedrige Durchschnittserträge um die 35 Hektoliter pro Hektar, reine Handlese, sehr langsame Vergärung ausschließlich auf Wildhefen, keinerlei Schönung, kompletter Verzicht auf Chaptalisierung - so heißt der Zuckerzusatz vor der Vergärung, um den Alkoholgehalt zu erhöhen - und kaum Filtration gehören zu den Grundprinzipien des Gutes, wie die überwiegende Orientierung auf konsequent trockene Weine.


Bloß kein Holzgeschmack!


Schmitt baut einige Weißweine auch im Holz aus. Allerdings nur in sehr alten Fässern. Denn Holzgeschmack ist so ziemlich das Letzte, was der Winzer diesen filigranen Solitären antun möchte. Heraus kommen Slow Wines, ausgesprochen komplexe Weine voller überraschender Nuancen und deutlicher Unterschiede in den verschiedenen Jahrgängen.
Zwar sind auch bei diesem Gut Riesling und Gewürztraminer die Paradesorten, doch auch den Pinots wird viel Aufmerksamkeit geschenkt.


Ungeheure Wucht.


Wirklich vom Hocker gehauen hat mich der Pinot Gris Reserve Personelle 2010. Sein imposantes Gerüst lässt die 14,5% Alkohol schnell in Vergessenheit geraten. Der mit 4,3 Gramm Restzucker wirklich trockene Wein betört mit reifer Zuckermelone, Rumtopf mit Rosinen, ergänzt durch Bitterorange und ein wenig Bittermandel. Dazu zarte Anklänge von Anis und Fenchel. Im Hintergrund bettet eine dezent-pikante Säure diese Geschmackssinfonie perfekt ein. So bleibt dieser Pinot trotz seiner ungeheuren Wucht very drinkable und verabschiedet sich mit einem sehr langen Abgang und ungeheuer viel Schmelz.
Aber die Domaine schafft es mühelos, auf diesen Top-Wein noch einen weiteren draufzusetzen.


Viel Zucker, der passt.


Der Gewurztraminer Vendages Tardives 2008 ist schlicht und ergreifend ein Traum von einer vollreifen, süßen Auslese. Ein betörender Duft nach Rosen, reifen gelben Früchten und Akazienhonig umschmeichelt die Nase. Litschis und Marzipan füllen den Gaumen. Wer schon immer mal wissen wollte, wie sich 63 Gramm Restzucker pro Liter anfühlen, wenn sie perfekt in ein opulentes Aromengerüst eingebunden sind, ist hier jedenfalls bei der richtigen Adresse.

 

 
  © Aktualisiert von Bernd Koppenhöfer 3/4/2014 - Captain Cork
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